Die Webseite der Rechtsanwälte Kotz, oder: Wie ich im Web fast erblindete

Shajkovci

Sie sind markant wie Ingo Lenßen und Partner, in englischsprachigen Kreisen werden sie auch schlicht „H.J.“ und „C.G.“ genannt, sie sind Senior und Junior und präsentieren sich charmant lächelnd in grauen Anzügen und mit pinken Krawatten – und passend dazu sind sie bei juristisch interessierten Internetnutzern bekannt wie ein bunter Hund: Die Rechtsanwälte Kotz. Man gönnt und wünscht diesen sympathisch wirkenden Herren alles – vor allem aber eine Webseite, in der ihre Vorliebe für konträre und grelle Farben nicht zum Ausdruck kommt und das erste einfallende adjektivische Attribut zur ihr keine Form des Nachnamens ist.

Als am 2. November 2011 in Spiegel Online unter dem Titel „SPD in Engenhahn: Web-Gemeinde spottet über ‚schlechteste Seite im Netz‘“ auf eine außerordentliche Webpräsenz aufmerksam gemacht wurde, folgten von Lesern in Kommentaren und Foren zahlreiche weitere Vorschläge. Ein User (paal) nannte dabei im Spiegel Forum eine Website, an die er wohl nicht als einziger gedacht haben wird: ra-kotz.de. Dieser User schreibt, dass es ihn manchmal wundere, wie schmerzlos Menschen sein können.

Bei der Seite der Rechtsanwälte Kotz weiß man zwar nicht, ob die Pein des Betrachters oder die Peinlichkeit des Betreibers überwiegt, die vom User erwähnte Verwunderung über die „Schmerzlosigkeit“ ist jedenfalls da. Und sie wird umso größer, je genauer man die Userzahlen ansieht. Die Kotz´schen Seiten sind beliebt! Tausende Facebook-Fans und Twitter-Follower, Hundertausende YouTube-Aufrufe. Sind diese Webseiten also viel weniger Ausdruck von Ungeschicklichkeit und Geschmacksverirrung als methodischer und taktischer Mut zur auffälligen Individualität oder gar Hässlichkeit? Sind sie als demonstrative Abwendung von seriös anmutenden, aber gleichsam langweilig wirkenden und leicht zu vergessenden 0815-Anwaltswebseiten zu sehen?

Man weiß es nicht. Die Webseiten der Kotz' sind unergründlich. Sollten sie jedenfalls Methode haben, so scheint diese zu wirken. Bei aller Wirkung dieser speziellen Marketingstrategie, eine Nebenwirkung bleibt: Die Augenschmerzen. Deshalb nur ein Appell hinsichtlich der roten Tapete im Hintergrund der Webseite:

Mr. Kotz, tear down this wall!

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Bild-Abgleich (jpg) Website ra-kotz.de (zu lang für direkte Bildeinbindung)2.24 MB